Mittwoch, 21. Mai 2008

Mehr Aberglaube

Freund C. sagt mir:
"An apple a day keeps the doctor away."

Esse ab sofort nur noch Birnen.

Montag, 19. Mai 2008

Lied, im Dunkeln zu singen

[Remix]

Ich pfeif im Keller so vor mich hin
dreh mich nicht um, werd nicht verrückt
und aus dem Walde schallt es zurück
mich wundert, dass ich so fröhlich bin.

Samstag, 17. Mai 2008

Kulinaria

Da ich letztens Lust auf ziemlich deutsches Essen wie dunkles Brot mit Harzer Käse und saure Gurken hatte, habe ich ein Glas Essiggurken gekauft, das ich heute beim Abendbrot auf den Tisch stelle. Percanto isst helles Brot mit Frischkäse und Marmelade, ich biete ihm Gurken an, Harzer Käse versuche ich gar nicht erst. Er guckt skeptisch und lehnt ab:
"Nein, ich mag keine Frösche. Eingelegte Labor-Frösche ohne Arme und Beine. Quak, quak, quak."

Dienstag, 13. Mai 2008

Vier!

Ohne zu suchen, nur beim im Gras sitzen und warten, habe ich heute vier (in Zahlen: 4!) vierblättrige Kleeblätter gefunden.
Sofort von meine Unabergläubischkeit abgefallen und im Brustton meiner Überzeugung an das Glück geglaubt.

Montag, 12. Mai 2008

Die Sache mit der Taube

Pfingsten. Ich habe eine Weile die Tauben vor der Kirche beoabachtet und überlegt, welche von ihnen nun der Heilige Geist ist. Wieder nicht erkannt.
Aber die Angelegenheit mit dem Heiligen Geist hat schon vor einem halben Leben fast dazu geführt, dass ich nicht konfirmiert worden wäre. In unserem Reform-Konfi-Unterricht konnte ich die Übungsaufgaben zur Dreifaltigkeit und zum Heiligen Geist nicht lösen, bin ohne abprüfbares Wissen in den Nebenraum zur Lernkontrolle gegangen und habe stattdessen unseren US-amerikanischen Reformpastor samt Handpuppe mit unbequemen Fragen belästigt. Wie das mit dem Heiligen Geist sei. Er konnte es mir nicht befriedigend erklären, hat es, wenn ich mich recht erinnere, auch nicht wirklich versucht. Ich habe damals noch eine Weile darüber nachgedacht, das Problem nicht für gelöst erachtet und dem Pastor mitgeteilt, ich würde den Teil mit dem Heiligen Geist im Glaubensbekenntnis so lange nicht mitsprechen, bis ich das verstanden hätte.
In der Predigt eine Woche später lobte er den kritischen Geist einer Konfirmandin, die keine leeren Worte nachsprechen wolle. Weitere Versuche, mir meine Fragen zu beantworten, hat er nicht unternommen. Bei der Konfirmation bekam ich dann doch noch eine Antwort. Für mich hatte der Pastor "Sprüche 3.5" ausgewählt:

Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand.

Pfingsten 2008, 17 Jahre später und vier Wochen vor der Abgabe überlege ich, diese wohlmeinenden Worte zu beherzigen und in die Danksagung der Dissertation aufzunehmen.

Freitag, 9. Mai 2008

Sommer

Ich könnte nach Hause gehen und mir vorstellen, ich hätte einen Balkon.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Eulen, Chilenen, Fledermäuse. Und Doktoranden.

Was bleibt zu meinem Bio- und Arbeitsrhythmus zu sagen, wenn jemand, der seit längerem hier und dort meine Statusmeldungen liest, plötzlich nach meinem Wohnort fragt und sich erstaunt zeigt, denn: "Ich wähnte dich immer in einer anderen Zeitzone."

Montag, 5. Mai 2008

Was schön ist...

... wenn der Bruder die Frage, wie es ihm geht, mit "sehr sehr gut" beantwortet
... wenn die Stimme zum Instrument wird, sich mit den anderen elf Stimmen vermischt und ich beim Prätorius merke, dass sie Höhe hat und trägt
... wenn ich morgens um acht der Musik ins Wohnzimmer folge und sehe, wie Percanto tanzt, allein, in der Sonne, beseelt

Mittwoch, 30. April 2008

Era en abril

[...]

No pudo llenarse la boca de voz,
apenas vació el vientre de mi dulce amor.
Enorme y azul
la vida se le dio.
No pudo tomarla, no pudo tomarla,

de tan pequeño.

[...]

Nichts zu sagen, nichts zu schreiben. Nur dass wir traurig sind, beste Anna.
Eleni. Kalinichta, Eleni.

Sonntag, 27. April 2008

Maskenball umgekehrt

Eine Bloglesung ist wie ein umgekehrter Maskenball. Man geht gänzlich unverkleidet, als fleischlicher Mensch der Kohlenstoffwelt, mit einem Namen, der auch im Ausweis steht und mit einem offenen Visir. Und die fehlende Camouflage ist die beste Tarnung.
Ich werde erst erkannt, wenn ich mein Pseudonym nenne oder vorgestellt werde: "Das ist die Percanta aus dem Internet." Karneval andersherum. Rätseln. Suchen nach einem verräterischen Detail. Die Eingeweihteren frage ich flüsternd, wer denn dies sei, und wer jener? Die Leute im Raum erkennen, wenn sie sich noch einmal kurz ihre Masken vor die Augen halten.
Der staunende Blick auf die Gesichter hinter den Avataren. Sofortige Vertrautheit bei denen, die zwar unter falschen Namen, aber mit echten Fotos bloggen. Die Nähe ist sicher trügerisch, Lesen und Gelesenwerden in deutlichem Ungleichgewicht. Einmal entschuldige ich mich, dass ich so mitten im Gespräch beginne. Ich muss kurz an Begegnungen mit Tagesschausprechern denken: Aber Sie müssen uns kennen, Herr Wickert, wir schauen doch jeden Abend die Nachrichten!

Einige der Vertrauten lesen Texte vor, die ich schon vor längerer Zeit, als die Worte noch ganz frisch waren, selbst gelesen hatte. Und hinterher kann man sich nicht mal die Blogs signieren lassen.
Wer in meiner Blogroll untereinander steht, sitzt nun kichernd nebeneinander auf dem Sofa.
Dieser Dialekt, hinreißend! Größer als erwartet, und lockiger. Der Humor - genauso. Der Charme auch. Dem gezeichneten Selbstporträt so ähnlich. Und Mimik, die Leute haben Mimik!
Wir nennen uns weiterhin bei unseren erdachten Namen, trinken echtes Bier und sehen einander ins ungepixelte Gesicht.
Und das Blogbaby duftet in meinem Arm und hat genau das richtige Gewicht für Glück.

Donnerstag, 24. April 2008

Vergleiche, die die Welt erklären

Eine Raucherzone im Restaurant ist wie ein Pissbereich im Pool.

[Danke, Karriebibel.]

Mittwoch, 23. April 2008

Gründlich

Manche Studentinnen (wie ich nach der Handschrift vermute) arbeiten wirklich außerordentlich gründlich. Ich dagegen nahm das Buch nur zum Quergucken in die Hand, um an den Bleistift-Intertexten hängenzubleiben.
Dass - in einem Bibliotheksbuch, grmpf- ein guter Teil der Wörter als Vokabeln verstanden und an den Rand oder über die Zeile geschrieben wird, kennt man.
Fett in Klammern stehendes ist jeweils als Bleistiftkommentar zu denken:


Así, un ángel se encarga [übernehmen] de trasladar [Umsetzung] al monje [Mönch] Barlaán a su lado para que transforme su congoja [Schmerz] de haber nacido para la muerte en desdeo ardiente [brennend] de vida eterna [ewig], mediante la instrucción cristiana y el bautismo [Taufe].

239 Seiten, ein langer Weg.

Wirklich beeindruckend aber der Fleiß, der schon im Inhaltsverzeichnis ansetzt:

Capítulo I: Las Fuentes [Quelle, Schlüssel] ... 17
Capítulo II: Interpretación moral ............. 35
Resumen .......................................... 44 [10 Seiten]
Capítulo III: Interpretación política ........... 45
Resumen .......................................... 57 [14 Seiten]
Capítulo IV: Interpretación filosófica ......... 59

Und so weiter.
Schön, dass das mal quantitativ ausgewertet wurde.