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Freitag, 12. Oktober 2012

Feliz cumpleaños, poeta.


Das war 2005. Morgens um 5 nach einer Fahrt durch das halbe lange Land, angekommen am Hafen von Puerto Montt und mit Blick nach Chiloé. 
Heute hat er Geburtstag, mein Dichter. Herzlichen Glückwunsch zum 75, Floridor! 


A un avión en la noche


Un
pirata 
nos roba 
las estrellas
y se las lleva al mar
sobre un 
pez
volador.

(Floridor Pérez, sehnsuchtsvolles Kindergedicht aus Cielografía de Chile, 1973)

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Jahreszeiten

Das mit den Jahreszeiten ist gar nicht so einfach, vor allem nicht, wenn man erst zwei und der letzte Herbst ein halbes Leben her ist. Im Kindergarten sind die Jahreszeiten zwar immer wieder und in liebevoller Ausgestaltung Thema, jetzt zum Beispiel werden Kastanienketten gefädelt, die Kinder erzählen Igelgeschichten und basteln Igel mit Ahorn-Nasen, sie feiern Erntedank, machen eine Kartoffelwoche, bemalen Laternen und lernen Martinslieder. Es ist auch nicht so, dass Zweijährige die Veränderungen in der Natur nicht bemerken würden, und entsprechend sang Baby B ein Laternelied (ein Musterbeispiel des Textefalschverstehen, übrigens) "der Jäger in dem grünen Wald... mit der Tür geknallt... piff puff" und beschwerte sich dann nicht etwa über die Türen im Wald, sondern fragte kritisch nach, "warum grüner Wald? Warum nicht rot?" Auch haben wir natürlich morgens regelmäßig Diskussionen darüber, ob er Sandalen anziehen darf (nein) und ob er wirklich einen Schal tragen soll (ja), und thematisieren somit täglich, wie das mit dem Wetter ist. Und dennoch ist diese Sache mit Wetterlage über längere Phasen und wie das mit den Jahreszeiten zusammenhängt nicht ganz zu verstehen.
Heute früh etwa ging Baby B mit seinen neuen Winterschuhen los, stand dann vor der Haustür im ihn umwehenden Laub und bemerkte überaus zufrieden: "Guck, Mami, Wind! Und ich hab neue Windschuhe!"
Und heute Nachmittag ließ er sich einen Luftballon aufblasen, der noch vom Wahlkampf kam; der Slogan "mein Herz schlägt grün" war in Farbe und Form des Ballons umgesetzt. Nachdenklich drehte er den Herzballon in der Hand. "Der ist der Herbs, Mami? Der ist der Herbs, der macht die Blätter bunter, wirft die Äpfel runter?"

(Unerfreulicher Nachtrag: Leider ist der Herbs 2011 etwas später am 26. Oktober geplatzt, als ein Kleinkind mit ihm hingefallen ist.)

Freitag, 20. Mai 2011

Gefunden

Den Nachmittag haben Baby B und ich großen und etwas wilden Garten des Hauses verbracht, trotz des schönen Wetters waren wir ganz allein, nur das Nachbarschaf war auch draußen. Zum ersten Mal seit 2,5 Jahren habe ich ein ganzes Kapitel lesen können, während ich mit Kind unterwegs war, denn er saß zufrieden im Sandkasten, baggerte und schichtete Steine um, stromerte durch unseren und die beiden Nachbargärten und holte sich ab und zu eine Erdbeere ab. Ein bisschen Ballschieß auf der Klee- und Gänseblümchenwiese, dann haben wir dieselben Gänseblümchen gepflückt und - auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin - ihm einen Kranz daraus gebunden. Bei dem vielen Klee musste ich an den Sommer vor nun 3 Jahren denken, da hatte ich mit einem Vorabexemplar meiner Diss auf einem niedrigen Mäuerchen auf dem Campus gesessen und auf meinen Doktorvater gewartet. Um mich herum ein Meer aus Klee, ich zupfte gedankenverloren ein wenig daran herum und fand, kaum suchend, direkt neben mir vier vierblättrige Kleeblätter. Kurz darauf bekam ich die erwünschte Note für meine Doktorarbeit, bestand mit der gleichen Note die Disputation und hielt in der gleichen Woche einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand, Baby B. Das vierte vierblättrige Kleeblatt schenkte ich meiner Freundin und Kollegin. Sie hat ihre Habil glänzend bestanden.
Vierblättrigen Klee gibt es bestimmt nur an dieser Stelle vor dem Prüfungsamt, dachte ich heute im Garten, Glücksbringer wachsen dort, wo sie gebraucht werden, und da sind ja leider letztes Jahr die Bagger durchgegangen. Ich beugte mich dennoch zum Kleeteppich unter mir und fand, direkt neben meinem Fuß, ein Vierblättriges. Nur eines.
Jetzt bin ich gespannt.



Mittwoch, 9. März 2011

40 Tage ohne

Aschermittwoch. Weder habe ich Fasching gefeiert und müsste jetzt angewidert und verkatert die fast leeren Flaschen wegräumen und ein "nie wieder (bis Ostern)" murmeln, noch habe dich den Drang, die Passionszeit durch Kasteiung mitzuerleiden. Aber Anlässe sind Anlässe, und was Giardino vormacht, klingt nach einer Idee. Früher habe ich "auf" Süßigkeiten gefastet - auch eine Fasten-Mogelpackung, denn als Kind habe ich Süßigkeiten gar nicht so sehr gemocht, der Verzicht fiel leicht; außerdem habe ich alles, was ich geschenkt bekam in den 7 Wochen, gesammelt und gehortet und hatte am Ende des Fastens den puren Überfluss. Die letzten Jahre kein Bedürfnis nach Fasten. Einmal fiel die Passionszeit mit der frühen Stillzeit zusammen, da hatte ich sowieso schon viele Monate auf alles mögliche verzichtet und machte gerade so weiter, in einem anderen Jahr das Gefühl, das Leben nimmt sich eh schon seinen Teil, da brauche ich nichts mehr zusätzlich wegzusperren. Wenn der Gedanke ans Fasten überhaupt kam, war er nach einem kleinen Stirnrunzeln wieder weg. Dieses Jahr aber doch: Internetfasten. Nicht um mich zu kasteien, sondern aus dem Bedürnis nach mehr Konzentration und Fokus. Auf Mails etc. kann und werde ich natürlich nicht verzichten, auch sonst will ich es nicht ganz so radikal betreiben wie Giardino, die Blogs bleiben. Aber die Zeitfresser fliegen raus, die Ablenker und kleinen Störfeuer. Kein Facebook, kein Twitter, das vor allem. Es geht nicht um die Leute dort, sondern darum, mich nicht zu verzetteln, und automatisiertes Suchtverhalten - mal kurz gucken - abzugewöhnen. Und mich besser auf das zu besinnen, was mir eigentlich wichtig ist. In dem Sinne steht der Moment des Entzugs vielleicht doch ganz gut in der traditionellen Fastenzeit.

Montag, 3. Januar 2011

Der Vollständigkeit halber

2010 in schiefen Fragen.

Zugenommen oder abgenommen?
Anfangs ab, dann wieder etwas zu, unterm Strich gleich.

Haare länger oder kürzer?
Kürzer.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleich kurzsichtig, aber die Brille ist schiefer und zerkratzter. Wird Zeit für eine neue Brille, um meine Kontaktlinsen auch mal rauszunehmen.

Mehr Kohle oder weniger.
Gleich viel Geld, weniger Leute, also mehr.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Keine Ahnung. Bei meinem normal verfügbaren Geld ist kaum Spielraum für große Ausreißer. Da ich mir aber zwischendurch was leihen musste, wohl mehr.

Der hirnrissigste Plan?
Nach der Konferenz da drüben im gleichen Monat auch noch zig Veranstaltungen zuzusagen und umzuziehen.

Die gefährlichste Unternehmung?
4x über den Atlantik fliegen.
Die fast gefährlichste Unternehmung: In Chile sein, während dort die Erde bebt. Das Beben kam mir aber zwei Tage zuvor, und so bin ich in BsAs geblieben.
Durch eine geschlossene Glastür rennen.

Mehr Sport oder weniger?
Etwa so viel wie mein 2010-Ich, deutlich weniger als das von 2009. Wenig.


Die teuerste Anschaffung?
Die digitale Spiegelreflexkamera und das neue Laptop.

Das leckerste Essen?
Kurz vor Jahresende Miesmuscheln in Weißweinsud von S.

Das beeindruckenste Buch?
Vielleicht Martín Kohan (Ü Peter Kultzen): Zweimal Juni (Dos veces junio).
Oh, und dann war da natürlich noch mein Buch. Aber im Verhältnis zu all der Arbeit, die drin steckt, war der Moment, als die beiden Kartons dann vor mir standen, gar nicht so
beeindruckend.

Das enttäuschendste Buch?
Luiz Claudio Cardoso (Ü Gesa Hasebrink): Der Tag, an dem sie Vater holten (Meu pai, acabaram com ele).

Der ergreifendste Film?
Die Fremde.

Der beste Theaterb4hesuch?
Ich war nur ein Mal im Theater, und das war mau.

Die beste CD?
Am meisten gehört: Yata pata und die anderen griechischen Kinderlieder.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Klar werden.
Zeug.
Baby B. zum Schlafen bringen.
Nicht hinterherkommen.

Die schönste Zeit verbracht mit… ?
Baby B. und S.

Vorherrschendes Gefühl 2010?
Puh!

2010 zum ersten Mal getan?
Jemanden gebeten auszuziehen.
Ein Spiel der 2. Bundesliga im Stadion gesehen. (6:1, gewonnen)
Ein Spiel der 1. Bundesliga im Stadion gesehen. (2:1, verloren.)

2010 nach langer Zeit wieder getan?
Gemeinsam kochen.
Am Deich rodeln.
Herzklopfdingens.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Januar, Februar, März.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Das ist richtig so. (Mich selbst.) (Wollte und habe.)

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Es war nicht so das Geschenke-Jahr.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der alte Schreibtisch meiner Großeltern aus dem nun aufgelösten Arbeitszimmer.

Die schönste neue Bekanntschaft, die ich gemacht habe?
Der neue Nachbar.

Der folgenreichste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
a) Den behalte ich lieber für mich.
b) Den auch.

Der folgenreichste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
a) "...möchte ich, dass Du dann ausziehst."
b) "Du kannst auch bei mir Fußball gucken."

2010 war mit 1 Wort…?
Entscheidungsreich.

Mittwoch, 10. November 2010

Warten

Wenn ich gegen Ende meiner Schulzeit sehnsüchtig auf einen selten bis nie eintreffenden Anruf des von mir Angehimmelten wartete, bin ich manchmal duschen gegangen. Duschen oder auf den Wäscheplatz oder in den Keller, um durch Verschlechterung der Ausgangsbedingungen die Chancen zu erhöhen, dass das Telefon gerade dann endlich, endlich klingelt. (Wasser kocht nur, wenn es nicht beobachtet wird, Telefone klingeln nur, wenn sie nicht angestarrt werden.)
Nach dem Absitzen von vier der unverschämten acht Stunden, die die gottgleiche Telekom heute zur besten Arbeitszeit als Zeitfenster für das Anschalten des Telefons angegeben hat, denke ich nun über ähnliche Strategien nach. Bestimmt kommt der Techniker genau dann, wenn ich jetzt duschen gehe oder in den Keller oder einfach ins Büro. Bestimmt.

Montag, 9. August 2010

Auf geht's


Ein Kindergartenkind, mein großer kleiner Junge.

Montag, 2. August 2010

August

Wenn die Tage kürzer werden, ist der Sommer nicht mehr lang. Nach meinem Geburtstag ist der Sommer fast vorbei. Und wenn die Brombeeren reif sind, ist der Sommer zu Ende.
Es gibt genau zwei gute Gründe, sich über das nahende Ende des Sommers zu freuen: Der eine sind meine Füße, die nach herrlichen Wochen des Barfußlaufens und der offenen Schuhe so kaputt sind, dass ich bei jedem Schritt an die kleine Meerjungfrau denke. Jeder Schritt ein Schritt in ein offenes Messer. Socken mit Creme werden eine Erleichterung sein und sehen mag diese nackten Füße, ruckediguh, Blut ist im Schuh, auch schon lange keiner mehr.
Der zweite Grund fällt mir gerade nicht ein.

Samstag, 19. Juni 2010

Der Ball ist rund

Dass man insgesamt zu müde ist und zu viel WM guckt, merkt man daran, dass man zur besten Zeit ab nachts um 4 für 90 Minuten ein waches, sich wälzendes Kind neben sich liegen hat und die ganze erste Halbzeit denkt, dass es die besten Szenen aus den Vorrundenspielen nachstellt. Aber bei Australien : Frankreich hab ich den Denkfehler bemerkt - die spielen ja gar nicht gegeneinander. Verrückt, was einem das Hirn vorgaukelt, ts, Australien : Frankreich, verrückt.

Sonntag, 6. Juni 2010

Polarisiert

Dies war eine Woche, in der man gut dagegen sein konnte. Ich war diese Woche gegen ziemlich vieles. Gegen politikverdrossenes Handtuchwerfen, gegen den Hessen, dessen Namen wir nicht nennen wollen, gegen Bohrlöcher, gegen die Südspange (Göttinger! Geht zur Bürgerbefragung, geht gegen die Südspange stimmen!), gegen Blindgänger.
Im Nachklappern der Handtuchwerfer war ich auch noch gegen von der Leyen, gegen Schäuble, gegen den oben nicht genannten Hessen. Und auf einmal war da ein neuer Kandidat und die vorsichtige Möglichkeit, dafür zu sein. Man ist Dafürsein kaum noch gewohnt, für jemanden zu sein, schon gar in der Politik, hat einen verdächtigen Beigeschmack, man traut sich selbst und seiner Zustimmung kaum über den Weg. Aber aber je länger ich über Gauck als Kandidaten nachdenke, desto mehr ich dafür, für Gauck als Bundespräsidenten.
Und statt nur immer "Nein!" zu sagen (und auf der Straße abstruse Diskussionen über Verkehrs(un)gerechtigkeit zu führen), sollte man vielleicht mal ein "Ja" unterstützen. Das denke nicht nur ich, es gibt inzwischen einige Initiativen, die sich für Gaucks Kandidatur stark machen. Und man könnte das Dafürsein üben, indem man sich zum Beispiel dort einträgt.
Warum für Gauck?
Ich zitiere Nico Lumma:
Die beste Begründung für Joachim Gauck liefert Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Laudation zum 70. Geburtstag von Joachim Gauck:
“Weil wir immer wieder Debatten brauchen, weil wir uns immer wieder miteinander austauschen müssen, ist es so gut, dass wir Sie, Herr Gauck, haben. Denn Sie legen den Finger in die Wunde, wenn Sie eine Wunde sehen, aber Sie können auch Optimist sein und sagen: Es geht voran. Beides brauchen wir. Danke, dass es Sie gibt. Danke, dass Sie weiter da sind.”
Hier geht es weiter:
Grundsätzliches auf Wirres.net: Gauck is my president.
Unterstützung der Kandidatur Gaucks in der Facebookgruppe Joachim Gauck als Bundespräsident
Nico Lummas Initiative Wir fuer Gauck

Der Politikverdrossenheit von oben mit Politik von unten antworten?
Ich üb das jetzt, das Dafürsein. Der Anlass scheint mir ein guter zu sein.

(PS: Göttinger, stimmt trotzdem gegen die Südspange. Danke.)

Donnerstag, 27. Mai 2010

Passt schon

Auf der ziemlich vollen Flasche Sonnenmilch, die ich sicher mal in der Nachsaison gekauft habe, steht auf vielen orangfarbenen Aufklebern "Sonderpreis DM 4.00".
Ein Verfallsdatum steht aber nicht drauf. Das war damals bestimmt noch nicht erfunden.

Sonntag, 4. April 2010

Vorgezogenes Pfingstwunder

Nun hat der Sohn nicht gleichzeitig mit dem freien Gehen auch das flüssige Sprechen begonnen, aber er kann Teekesselchen. Und zeigt Lernerfolge im Bereich "nicht werfen / sanft / streicheln, nicht hauen" - zumindest versteht er uns.
Unser Osterfrühstück war aus Lazarettgründen etwas karg, aber Bruder #2 hat doch immerhin gefrühstückt und Baby B. hat sich zu seiner Gesellschaft ein blaues Ei genommen und beherzt hineingebissen, womit er es erfolgreich geknackt hatte. Die Großmutter hat es ihm dann gepellt und neben der von ihm selbst ausgewählten Tomate in die andere Hand gedrückt, so traf ich ihn dann an in seinem Hochstühlchen. Er leckte immer wieder an der Tomate und fand die merkwürdig, aber das Ei war prima, er hatte die Spitze schon aufgegessen und streckte es mir zufrieden entgegen. "Oh, Du hast ja ein Ei", sagte ich, und Baby B. guckte in seine Hand, nickte und streichelte sich mit dem Osterei durch die Haare, "eiiii", sagte er. Ja, auch das.

Samstag, 27. März 2010

Gelandet

Nach 40 Tagen und exakt 24 Stunden Reise von Tür zu Tür: zu Hause.

(Und ich dachte kurz, 10 Uhr abends, dann brauch ich jetzt auch nichts ins Blog zu schreiben, denn um 2 Uhr früh in Deutschland liest das ja keiner mehr. Aber das ist ja Deutschland, also mein 10 Uhr, Euer 10 Uhr. Ich fang dann man an, mich wieder umzustellen.)

Freitag, 22. Januar 2010

Gedächtnisstütze

Ich muss in letzter Zeit ständig nachrechnen, wie alt ich bin. Dafür das aktuelle Datum überlegen, mein Geburtsjahr abziehen, erste oder zweite Jahreshälfte bedenken. Vielleicht sollte ich es einfach mit Kuli auf dem Handrücken notieren. Oder tätowieren lassen. Obwohl...

Freitag, 1. Januar 2010

2010

Noch einmal fremde Federn, und dann kann es richtig losgehen, das neue Jahr. Lasst uns was draus machen. Was Gutes.

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin,
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum Du Dich bemühst
Möge Dir gelingen.

(Wilhelm Busch)

Willkommen, ...

... bienvenue, welcome, 2010. Sei gut zu uns.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Letzte Splitter

* Vor 10 Jahren, beim hochwichtigen Übergang von 1999 zu 2000, hatte ich drei interessante Einladungen zu Silvesterfeiern (so viel wie dann nie wieder), eines sollte ein Fest in Berlin bei einem italienischen Filmemacher mit schwarzen Augen sein. Der hatte meinen Cousin, bei dessen Geburtstagsparty wir uns kennengelernt hatten, zuvor schon zu wilden Beschützaktionen verleitet, aus Angst vor seinem strengen Onkel, der mein Vater ist. Ende 1999 wurde ich aber krank und hatte am 31. morgens ziemlich Fieber, so dass ich absagte. Kurz nachdem der letzte Zug des Jahres aus der Provinz Richtung Hauptstadt weggefahren war, ging es mir wieder besser. Den Jahreswechsel habe ich allein mit meinen Eltern verbracht, auf der Brücke über dem Hafen einer ausgestorben wirkenden Stadt. Es fehlten nur die Mistelbüsche, die über die Straßen wehten. Wenn wir auf unserem Weg doch auf vereinzelte andere Menschen trafen, sie mit unseren Sektgläsern grüßten und ihnen ein frohes neues Jahr wünschten, wirkten diese ausgesprochen befremdet. Huch! Menschen, die sprechen!
Von meinem Silvester-Date habe ich nie wieder gehört.
In den zehn Jahren danach habe ich unter anderem Examen gemacht, promoviert, in verschiedenen Brotberufen und brotlosen Berufen gearbeitet, meinen Mann kennengelernt und geheiratet und ein Kind bekommen. Wie vor 10 Jahren war ich aber bis heute morgen einigermaßen krank und feiere auch dieses Jahr (erstmals seit 2000) wieder mit meinen Eltern zusammen, dieses Mal aber mit Babykind, das hoffentlich das Knallen (ob hier geknallt wird?) verschläft. Ich bleibe noch ein paar Tage hier und will arbeiten, den Mann und Vater haben wir nach Berlin zum Tangotanzen geschickt. Vielleicht trifft er dort ja einen italienischen Filmemacher.

* 2009 war seit langer Zeit das erste Jahr, in dem ich auf keiner Beerdigung war. Dafür aber zu Besuch bei ein paar Neugeborenen auf Wochenstation und auf einer Hochzeit, und ich habe selbst eine Taufe ausgerichtet. Viel besser so. Bitte 2010 in der Art weiter.

* Erinnert Ihr Euch noch an Schwadroneuses wunderbaren Neujahrsgruß?

Wir sehen uns drüben!

Letztes Mal Klugscheißen 2009

1. Dieser Tag heute heißt übrigens Silvester, nicht Sylvester.
Und Sylvester ist auch keine hübsche oder putzige alte Form wie "Photo" oder "seyn", sondern offenbar am englischen Vornamen Sylvester (wie Stallone) orientiert, während Papst Silvester I., der Namensgeber für den 31.12. war, seinen Todestag im Jahr 335, auch damals schon mit "i" geschrieben wurde.

2. Das Jahrzehnt ist erst in einem Jahr zu Ende.

Was empfehlen Madame zu Silvester?

Auch das eine Frage von nebenan.

Madame empfiehlt eine rauschende Ballnacht. Sorgfältig herausgeputzt und in Schale geworfen mit dem/der Liebsten oder vielen Freunden tanzen gehen, zu grandioser Livemusik in prachtvollem Ambiente. Um Mitternacht erhitzt, beschwipst und schwindelig getanzt anstoßen und küssen. Sich vieles wünschen und weitertanzen. Morgens mit müden Füßen und glücklich durch den Schnee nach Hause laufen, bei den Freunden eingehakt oder beim Liebsten im Arm.

Wenn das nicht geht, könnte man auch versuchen, alle glückbringenden Silvesterbräuche unterzubringen, die man so kennt. Also zum Beispiel: Für die Zukunft zunächst Bleigießen, dann um Mitternacht anstoßen, Krapfen essen, auf einen Stuhl steigen, mit jedem Glockenschlag eine Weintraube essen, eine gelbe Unterhose tragen, mit einem Koffer um die zentrale Plaza laufen, "Auld lang syne" singen. Und sich wünschen, nächstes Jahr eine rauschende Ballnacht zu erleben. Oder ein Babykind zu haben, an dessen Bettchen man wacht.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Gute Vorsätze?

Folgendes bin ich drüben bei Formspring (ich probiere nur aus, so richtig ziehts aber nicht) gefragt worden, und man könnte es ja als Jahresendzeitcontent hier aufwärmen.

-- Gute Vorsätze? Oder über solche Albernheiten erhaben?

Sind gute Vorsätze Albernheiten? Wegen des äußeren Anlasses? Wenn ein relativ banaler äußerer Anlass wie ein Datum zu Reflexion über das eigene Tun und Lassen führt, über den eigenen Lebenswandel, den Umgang mit den anderen, über die eigentlichen, wesentlichen Ziele und wie man sich denen vielleicht annähern könnte - dann sehe ich nicht, was daran albern sein sollte. Oder ist der am 31. gehegte Glaube albern, dass nun aber wirklich ab dem 1. dauerhaft alles (und vor allem: man selbst?) anders wird? Vielleicht. Aber Anlässe braucht man, und Daten sind für mich durchaus bedeutsam und haben auch einen romantischen Aspekt. Und Innehalten und Überdenken kann so verkehrt nicht sein.
Hab ich nun gute Vorsätze fürs neue Jahr?
Letztes Jahr habe ich mir Silvester inbrünstig ein paar Dinge gewünscht: Dass das Kind in meinem Bauch gesund zur Welt kommen möge vor allem. Diese Wünsche haben sich alle erfüllt, und ich bin sehr froh und dankbar. Das fast vergangene Jahr war ein besonderes, ein Ausnahmejahr. Für das neue wünsche ich mir zum Beispiel, dass wir ein bisschen mehr Familienzeit haben und dass ich beruflich ein bisschen besser auf die Beine komme. Das kann man in Vorsätze umformulieren: Weniger Onlinezeiten, mehr Zeit zu dritt verbringen, mehr Konzentration. Alles etwas vage, aber leichter messbare Vorsätze wie "der Tante jeden Freitag eine Karte schreiben" oder "zum Frühstück nur noch Vollkorn" habe ich tatsächlich in dieser Runde nicht. Auch wenn man da sicher was tun könnte.