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Dienstag, 25. September 2012

Geht so. Nicht.


Also, liebe Linke, natürlich ist Reichtum teilbar. Aber doch bitte VOR dem T!  Reich|tum, der
Ok, reicht|um geht auch, in solchen Sätzen wie: "Der in diesem unseren Lande angesammelte Reich|tum reicht, um davon gut zu leben". Aber ohne vernünftige Grammatik wird das doch wieder nichts mit der neuen Gesellschaft. 

Freitag, 26. August 2011

Die Sprache der Blumen

Man soll ja mit Pflanzen sprechen. Ein guter Anfang für eine gelungene Beziehung zu Grünzeug ist bestimmt, sie auf persönlicher Ebene anreden zu können. Namen sind da hilfreich.
Seit Baby B weiß, dass die Pflanze auf dem Balkon eine "Schwarzäugige Susanne" ist, hat er das Prinzip verstanden. Er übergeneralisiert allerdings ein bisschen und spricht nun alle gelben Blumen gleich an. So kommt er mit dem Lieblings-Süditaliener an den Pflanzen im Treppenhaus vorbei, zeigt auf die Sonnenblume und erklärt: "Heißt Susi."
Vielleicht kaufen wir jetzt noch ein Fleißiges Lieschen.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Schweine steigern

Vor einiger Zeit lernten wir die Meerschweinchen im Nachbargarten kennen. Drei verschiedenfarbige Meerschweinchen, die sich in ihrem Häuschen zusammenkauern oder ans Gitter des Freigeheges kommen, um sich mit Gänseblümchen füttern und die Nasen streicheln zu lassen. Baby B. mag die "Aninchen", und so statten wir ihnen regelmäßig Besuche ab. Kürzlich also:

B: "Aninchen gucken, Mami, ja?"
Ich: "Ja, lauf rüber, aber eigentlich heißen die Meerschweinchen. Guck, sie haben ganz kurze Ohren. Das sind Meerschweinchen, nicht Kaninchen."
B. füttert sie, freut sich und macht Grunzgeräusche: "Guck, Mami, Wildschweine!"

Heute:
B: "Wo die Aninchen, Mami?"
Ich: "Guck, die haben sich da alle zusammengekauert. Aber sie heißen "Meerschweinchen", weißt Du noch?"
B: "Aninchen streicheln, ja?"
Deutlich später, als eines der Meerschweinchen zutraulich ans Gitter kommt und er es lange füttern und streicheln kann, ruft er mich aufgeregt:
"Mami, guck! Streichel ich Vielschweinchen!"

Ein Vielschweinchen, zwei Mehrschweinchen, drei Ammeistenschweinchen im Nachbarsgarten.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Spracherwerb mit der Mafia

Unser liebster Süditaliener (im folgenden S.I.) und Baby B (B.B.) gucken ein Bilderbuch an.

S.I.: "Und das ist ein großer Flugdrache."

B.B.: "Äh?"
S.I.: "Ein Flugdrache. Flugdrache."
B.B.: "Blutrache."

Der Rest ist Schweigen.

Dienstag, 12. April 2011

Alles wird gut

Ein Trennungskind lernt früh, dass nicht alle seine Bezugspersonen immer bei ihm sind. Um Verunsicherungen zu vermeiden, ist zum Beispiel auf einen festen Rhythmus und auf Verlässlichkeit zu achten; bewährte Erklärungen werden wiederholt, um Stabilität zu erzeugen. Bringe ich Baby B. in die Kita, fragt er selbst nach, ob ich ihn abhole, bzw. er fordert es mit festem Blick ein, bevor er juchzend zu den anderen Kindern rennt: "Ab, Mami!" Wenn ich weggehe, ist die von ihm am besten akzeptierte Erklärung, dass ich an die Uni muss. Geht der Liebste aus dem Haus, geht auch er in die Uni, immer. "Mami Uni. S. auch Uni." Wichtig ist dann noch, dass der Fortgehende wiederkommt. "Kommt wieder", beruhigt er sich und uns. Diese Muster gelten nicht nur für das Kommen und Gehen der Eltern und seinen eigenen Wechsel zwischen zwei Wohnungen und der Kita, sondern auch für alle anderen Lebensbereiche. Wenn wir beispielsweise gemeinsam einkaufen gehen und ich für einen kurzen Augenblick in einem anderen Gang verschwinde, kommentiert er prompt: "Mami Uni." "Frau auch Uni?", fragt er die Dame, die uns auf dem Weg nach Hause entgegenkommt, und wenn Opa abreist, muss auch der in die Uni. Kommt aber wieder.
Gestern standen wir im Bad und leerten gemeinsam sein Töpfchen aus. Baby B. warf Papier ins Klo, spülte selbst und blickte lange in das sich beruhigende Wasser. "Wo AA?", fragte er dann alarmiert, "wo AA, Mami, AA wo?!" Man hat nicht immer Nerv zu langen Erklärungen, also speiste ich ihn mit einem knappen "weg" ab. Er sah mich tröstend an. "Kommt wieder, Mami."

Donnerstag, 31. März 2011

Nachwuchs-Ornithologe

Nuno ist bei den Großeltern, solange ich im Süden arbeite. Bei den meisten unserer Telefonate geht es um die Vögel im großelterlichen Garten. Hier nur zwei Beispiele:

Gespräch 1:
N: "Garten Voga!"
Ich: "Oh, hast Du Vögel angeguckt?"
N: "Nei, futta, Voga futta, Vogahäuscha, Futta kipp!"
Ich: "Und welche Vögel hast Du gefüttert?"
N: "Voga. Und Buchfink. Und Lama."
Ich: "Ein Lama auch?!"
N: "Lama nein...Lama... Amsel!"

Gespräch 2:
Großmutter im Hintergrund: "Guck mal, da ist wieder ein Vogel am Vogelhäuschen. Der Vogel macht Zizibe!"
N: "Zibezi NEIN Voga! Zibezi ist MEISA!!"
Oma hat auch keine Ahnung.

Donnerstag, 10. März 2011

Mehr Rhetorik!

Gestern war schon der zweite kinderfreie Abend die Woche, und nachdem wir Montag bei Rosemarie Tietze und Tolstoi in der wunderbaren neuen Literaturreihe "neu_übersetzt" waren, gingen wir gestern Billard spielen. In der Kneipe lief Championsleague, und ich gewann wie Schalke 3:1. Highlight des Abends waren aber die Kommentare der Sky-Reporter: Sammer sprach vor dem Spiel von "nerval", jemand war, glaube ich, in einer "nerval schwierigen Situation" (muss es nicht "nervesk" heißen?), und dann hörten wir während des Spiels (der Name des Kommentators wurde leider nicht mehr eingeblendet) ein großartiges Zeugma, eines der schönsten, die mir seit langem begegnet sind:
"Schalke spielt vorne mit Mut und Raul und Farfán."

Wundervoll. Ich nehme es gleich in meine Beispielliste rhetorischer Figuren. Was für ein hinreißendes Zeugma, Fußball, welch Quell der Freude!

Freitag, 4. März 2011

Kinderzoo

Nach griechischer, argentinischer und brasilianischer Musik hört der Sohn jetzt gerne deutsche Kinderlieder, z.Zt. solche aus meiner Kindheit. Und das prägt:
Ich: "Na, was bist Du denn für ein Tier?"
Kind: "Ein Nanu-Tier!"

Nuno proudly presents: das Nanu-Tier:

Montag, 14. Februar 2011

Wunderkind

Nun ist Nuno zwei, und seine Sprachentwicklung macht rasante Fotschritte, eher Fortsprünge. Er verwendet "ich" richtig, bildet einfache Sätze, hängt Flexionsendungen an.
Vorgestern dann der große Durchbruch:
Nuno sitzt auf dem Wickeltisch, verlangt Creme, und schmiert sie sich, "Punk Punk Mond", ins Gesicht. Danach macht er, da er ein ordentliches Kind ist, die kleine Metalldose wieder zu, dreht sie noch ein wenig hin und her und schaut sich schließlich lange dem Deckel an.
"Mami", sagt er dann und legt seinen kleinen Finger auf den Schriftzug, "A."
"Was meinst Du?"
Er zeigt mir die Dose, tippt mit dem Zeigefinger mehrfach auf den mittleren Buchstaben von P E N A T E N. "A, Mami, A!"
Ein Wunderkind, klarer Fall. Soll ich ihn gleich nach den anderen Buchstaben fragen, erkennt er auch ein N oder geht er streng alphabetisch vor, ob er auch das B schon kennt? Oh, Mutterstolz!
"A, Mami", fordernd hält er mir die Dose hin, "A weg!"
Ich gucke noch einmal von Nahem, wo sich sein Finger hinbohrt, dort ist das blaue A, eindeutig, ein A, und jetzt erkenne ich es auch, das winzige Haar, was schräg über dem Querbalken klebt. "A, Mami." Ein Haar. Was für ein kluges Kind.

Dienstag, 8. Februar 2011

*beeep*

Es gibt so ein paar Kosenamen, die möchte man ja nicht haben. Nicht hören, vor allem nicht vom Liebsten, aber eigentlich noch weniger benutzen. Kein Problem, sollte man meinen. Es ist schließlich meine Entscheidung, was ich sage und was nicht. Schnuckiputz. Purzelchen. Schnuffi. Bärchen. Geht nicht, geht gar nicht, geht überhaupt gar nicht (jedenfalls nicht, wenn der Angesprochene größer als 1 Meter ist.) Dann gibt es ja noch solche Benamsungen, die Körperfunktionen enthalten. Hasipupsi etwa. Nicht nur gruselig, sondern auch völlig unverständlich. (PUPSI? Was soll man sich da als heimischen Dialog vorstellen? "Pupsi?" - "Ja, Kotzi?" - "Essen ist fertig, Rotzi." Kotzi.)
Aber ehrlich gesagt, Schatz ist zwar semantisch in Ordnung, ansonsten aber nicht viel besser. Puh. Schahaaatz? Öde. Es muss doch noch was anderes geben zwischen Herr Meier und Hasipupsi. Das alles kommt jedenfalls für mich nicht in Frage, sowas kommt mir nicht über die Lippen.
Oh frommer Wunsch.
Heute rief mein Sohn, der kleine Papagei, nach meinem Freund: "Guckma! Schaaatzi, guckma!"
Erwischt.
Als nächstes werde ich wohl in den unmöglichsten Situationen von meinem Kind hören, was ich eigentlich so für Flüche benutze. Peinlicher kann es aber kaum werden.

Donnerstag, 3. Februar 2011

gute kostprobe

Eine Packung italienischen Brotersatzes, viersprachig beschriftet. Nehmen wir den Serviervorschlag aus dem deutschen Text:
PIADINA ROMAGNOLA - BACKWAREN
Fuer eine gute kostprobe: Gut im Gegenhaftend erwärmen oder auf eine warme Platte legen, mit Schinken und käse fuellen, Stracchino, Butter, Marmelade oder was die fantasie eingibt.
Nachdem wir in der Küche erfolglos unser Gegenhaftend gesucht haben, half ein klärender Blick auf den italienischen Text:
Scaldare in una padella antiaderente o una piastra già calda [...]
Gegenhaftend! Eine wörtliche Übersetzung der einzelnen Bestandteile des italienischen Adjektivs, eine padella antiaderente ist eine beschichtete Pfanne, bzw. eine Pfanne gegenklebend, kurz: ein Gegenhaftend.
Als Stracchino nehmen Sie einfach das, was Ihre fantasie eingibt.

Montag, 3. Januar 2011

Winterkind

"Na, freut sich Dein Kleiner schon auf den Schnee", fragte unsere Sekretärin im Herbst.
Nö, meinte ich, denn erstens kann er sich, obwohl er geboren wurde, während es schneite, mit seinen eindreiviertel Jahren an keinen Schnee mehr erinnern, und zweitens ist "sich auf etwas freuen" noch ein etwas abstraktes Konzept in dem Alter. Ob er sich über Schnee freut, konnten wir dann aber bald überprüfen, denn es begann zu schneien. Es schneite einen Tag, es schneite zwei Tage, es schneite drei Tage, überall lag die weiße Pracht und Baby B zeigte sich nicht im mindesten beeindruckt, schien das neue Wetter kaum wahrzunehmen. Dann traten wir eines Morgens Ende November vor die Haustür, Markt und Straßen lagen noch immer unter einer weißen Decke, alles glitzerte, und plötzlich blieb Baby B stehen, schaute, staunte, zeigte auf die Schneehauben auf dem Zaun: "Mami, guck! Schaum!"
Und er freundete sich an mit dem Schaum, den er in der Wanne schon liebte, Zeit genug war ja. Er fand ihn zwar "kal'", das aber störte nicht, gar nicht, er genoss es, durch ihn zu stapfen, ihn aufzuheben und zu werfen, sich von Opa auf dem Schlitten ziehen zu lassen, mit uns allen am Deich zu rodeln, das Schaf im Garten mit selbst gesammeltem Schnee zu füttern (das Schaf bevorzugt Äpfel). All das stundenlang, auch wenn wir Erwachsenen längst Eisfüße hatten. "Schaum, Mami!"
Im Advent lag Schnee, Weihnachten lag Schnee, nach Weihnachten lag Schnee, endlich ergeben die Schneebilder im Wimmelbuch einen Sinn und die Postkarten mit verschneiten Bäumen. Neujahr lag immer noch Schnee, und als Baby B. am Abend in der Wanne saß, den Kopf voller Shampoo, da klatschte er mit beiden Händen in den Schaum, ließ weiße Flocken hochspritzen und rief: "Mami, guck! 'Nee!"


Freitag, 1. Oktober 2010

Nuno und die Kinna

Baby B. nennt mich neuerdings nicht mehr wie alle anderen Frauen "Mama", sondern differenzierter "Mami". Und nun hat er auf sich selbst gezeigt und nicht "meiner" gesagt, sondern strahlend "Nuno". Erkannt. Die Entwicklung macht Riesensprünge.
In der Kita hat er drei Erzieherinnen, die alle noch "Mama" heißen, aber jeden Tag kann er einen neuen Namen von einem der Kinder. In seiner Gruppe sind außer Nuno selbst: Anna, Inna, Bin, Beca, Hiha, Klakla, Obi, Mahuhu und Unu. Und Kinna. (Bei Beca muss man sich übrigens auf den Kopf klopfen, weil sie immer mit einer Mütze in die Krippe kommt. Beca gehört zu den größeren Mädchen, die schon seit letztem Jahr in die Kita gehen, und sie ist die erste, von der er morgens nach dem Aufwachen spricht. "Beca!" Große Liebe.) Wer erkennt die anderen, wer möchte lösen?

Donnerstag, 15. Juli 2010

Philologen unter sich

1.
Baby B: "da! Baill, Baill!" Kollegen: "Kind, Du vokalisierst zu stark." Unterwegs mit Philologen.

2.
Baby B. sagt zu Wasser aller Arten "Wawa", zu Tee und anderen Flüssigkeiten in Bechern "Te" (und "heissss"). Als ich ihm erstmals kühlen Pfefferminztee anbiete, findet er den schmackhaft und denkt länger nach.
Schließlich zeigt er auf die Tasse: "Tewa?"
Ich finde das ziemlich sensationell.

3.
Und wenn uns jemand fragt, was wir sonst so für Hobbys haben, dann sagen wir: "Wir sammeln Komposita."

Sonntag, 4. April 2010

Vorgezogenes Pfingstwunder

Nun hat der Sohn nicht gleichzeitig mit dem freien Gehen auch das flüssige Sprechen begonnen, aber er kann Teekesselchen. Und zeigt Lernerfolge im Bereich "nicht werfen / sanft / streicheln, nicht hauen" - zumindest versteht er uns.
Unser Osterfrühstück war aus Lazarettgründen etwas karg, aber Bruder #2 hat doch immerhin gefrühstückt und Baby B. hat sich zu seiner Gesellschaft ein blaues Ei genommen und beherzt hineingebissen, womit er es erfolgreich geknackt hatte. Die Großmutter hat es ihm dann gepellt und neben der von ihm selbst ausgewählten Tomate in die andere Hand gedrückt, so traf ich ihn dann an in seinem Hochstühlchen. Er leckte immer wieder an der Tomate und fand die merkwürdig, aber das Ei war prima, er hatte die Spitze schon aufgegessen und streckte es mir zufrieden entgegen. "Oh, Du hast ja ein Ei", sagte ich, und Baby B. guckte in seine Hand, nickte und streichelte sich mit dem Osterei durch die Haare, "eiiii", sagte er. Ja, auch das.

Mittwoch, 10. März 2010

40 Tage Buenos Aires [24]


Tag 24, Mittwoch, 10. März 2010: Zwei Farben Lila.
Am Nachbartisch, Paseo de la Plaza, zwischen Corrientes und Sarmiento.


Am Morgen Regen in Buenos Aires, und statt auf den Spielplatz gehen B und ich erst mal in die Badewanne, das machen wir hier manchmal mehrmals am Tag, mit eher kühlem Wasser. B versucht seit ein paar Tagen allein einzusteigen, er hält sich am Rand fest und schmeißt sein eines Bein hoch, so hoch, dass er mit den Zehen an den (niedrigen) Wannenrand kommt, aber dann gehts nicht weiter. Dafür kann er Treppen steigen und rutschen und küssen. Mmmmmm-bah! Und er kann schlafen! Das Kind schläft! Tagsüber und nachts, oft sogar durch. Auf einmal gehts, in der Hitze nackt unter dem brummenden Ventilator.
Percanto ist vormittags bei einem Tanzkurs, danach und nach Bs erster Siesta (er macht seit ein paar Tagen mehrere!) gehen wir zusammen los, die Sonne ist wieder da und es ist warm und feucht. Wir gehen nach langer Zeit mal wieder in die Parrilla, zum Grill. Ich esse Milanesa, das ist ein dünnes Schnitzel mit - wenn es gut ist- Kräutern zwischen Panade und Fleisch.
Dass die Küche hier italienisch beeinflusst ist, hatte ich ja beim Kaffee schon erwähnt, auch das Essen ist neben dem vielen puren Fleisch recht italienisch, wenn auch deutlich weniger raffiniert. Pizza und Pasta, Ravioli und Gnocchi ("Ñoqui") sind Standardgerichte. Gnocchi gilt als das klassische Monats-End-Essen, wenn das Geld ausgeht und die Lebensmittel billig sein müssen. Zwar würde hier niemand ein Schnitzel als italienisches Essen bezeichnen, es ist - natürlich - so argentinisch wie der Asado und die Empanadas, aber der Name verweist darauf: Milanesa enspricht dem Adjektiv milanés (m.) / milanesa (f.), "mailändisch". Es gibt auch milanesa napolitana oder einfacher milanesa napo, dann wird sie mit Schinken, Tomaten und Oregano zubereitet.
"Mailänder Napolitaner Art" ist natürlich schon hübsch.

Hinterher waren wir Espresso trinken (bzw. Cortado, Espresso mit einem Schuss Milchschaum) und dann ausführlich auf dem Spielplatz. Deswegen gab es heute eigentlich eine ganze Serie Bank-Bilder, Tauben vor Bänken und ein reizendes Zufallspaar auf einer Bank, eine junge wildlockige Frau im gepunkteten Kleid und ein alter weißhaariger Herr mit Stock, die sich gestenreich irgendwelche Dinge erzählten. Gegen Abend sind wir dann mit einem schon wieder sandig in der Karre schlafenden Kind Obst kaufen gegangen (frische, reife Mangos! und winzige süße Bananen und eine Schale voller Kirschen) und nochmal in den Paseo de la Plaza für Eis und mehr Kaffee. Die Passage ist wirklich eine Oase direkt an der wuseligen Ameisenstraße Corrientes, es ist trotz vieler kleiner Läden, Cafés und Theater ganz still, man hört nicht mal den steten Verkehr, der in unmittelbarer Nähe vorbeirauscht. Und man kann im Café draußen sitzen.
Ich habe dann das erste Mal die Lifeview-Funktion der Kamera ausprobiert, um die beiden Tischnachbarn auf obigem Bild nicht zu stören und etwas diskreter vor dem Bauch zu fotografieren. Er hörte über Kopfhörer laut klassische Musik, rauchte, sie lernte aus vielen Ringheften und langen Ordnern. Was man nicht sieht: Auf der anderen Seite der Kamera trage ich ebenfalls ein lila Trägerhemd, allerdings etwas dunkler als die Oberteile meiner heimlichen Modelle an den Nachbartischen, wie auch mein Rock etwas dunkler ist als das Blaugrün der Wand.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Einwurf: Political correctness

"Mohrenköpfe" sollen nicht mehr "Mohrenköpfe" heißen, und Negerküsse soll man sie auch nicht nennen, weil das diskriminiert?
Sagen Sie denn "stark pigmentierte Süßigkeit"? Oder ganz offiziell "Schaumküsse"?
Entspannen Sie sich. Den Kameraden hier habe ich heute mit einer Gruppe seiner Kumpel in einer Konditorei getroffen, auf einem kleinen Pappschild waren sie mit "CAMERUN" ausgezeichnet, eine Clique Kameruner also.
Diesen Kameruner mit seinen rosa Schlauchbootlippen und dem Zucker-Krisselhaar very pc "Schaumkuss" zu nennen, wäre viellicht etwas albern.

Montag, 18. Januar 2010

Assa [Das Kind als Studienobjekt]

Baby B. wird, das ist das einzig Natürliche in dieser Familienkonstruktion, zweisprachig erzogen. Von den ersten Lautäußerungen an wurden wir darum gefragt, was er bisher spräche - Spanisch? Deutsch? Beides?
Anfangs schien die Sache noch klar: Sein fröhlich gegurrtes "A-grrrr" war mit dem Rachen-R doch deutlich deutsch, das gerollte Zungen-R haben wir nicht vernommen, auch wenn der Vater den Säugling stets "A-gRRRR" korrigierte, mit vorbildlich flatternder Zungenspitze.
Inzwischen kristallisiert sich aus einzelnen, international gebräuchlichen Silben wie "Pa" und "Ba" so etwas wie ein Wortschatz heraus. Der Schwerpunkt scheint bisher eher auf deutschen, nun ja, Worten zu liegen, "Papa" ist dabei naheliegend und wird gerne verwendet, "Mama" dagegen nur sehr, sehr selten. Dafür aber dann mit Nachdruck und von Herzen (ha!). Beides ist in der Betonung noch sehr ausgewogen und darum in der Sprachenzuordnung unentschieden. Ob aus "Pa!-Pa!" mal ein deutscher "Papa" oder ein spanischer "Papá" wird, ist offen. Vielleicht übernimmt er ja auch "Papi". Auch "Opa" sagt er, wenn er dabei auch manchmal fälschlich auf die Coverfotos italienischer Autoren zeigt.
Was kann er noch sagen? Wie bereits berichtet, sagt er manchmal Dinge wie "eng" oder "albern". Außerdem mit Unterstützung eines lang ausgestreckten, kleinen Zeigefingers "da!", da! Fenster, da! Küche, da! Bücher. Er versteckt sich auch, wenn wir "Kuckuck" sagen, beziehungsweise hält sich sinnigerweise die Ohren zu und ruft dabei selbst strahlend "da!". Zum Ball sagt er "Ba", zum Auto etwas ähnliches wie "Auto" (es ist alles genetisch, Autos, Bälle, Autos, brrrrummmm). "Auto" kann man neben "coche" oder "carro" auch im Spanischen so verwenden, auch "brrrmmmm" ist überregional; ruft der Sohn allerdings begeistert "Ba!", während er an der Hand laufend gegen seinen kleinen Ball tritt, verbessert sein Vater zuverlässig in "sí, la pelota".
Sieht er Kerzen oder Lampen, pustet er (international einwandfrei zu verstehen) oder sagt entweder "Ape" oder "Mpe". "Lampe" und "lámpara" sind einander wie "Banane" und "banana" - das allerwichtigste Element seines Wortschatzes überhaut, Nanane, Nanane, Nanane! DA! NANANE! - auf Deutsch und Spanisch so ähnlich, dass hier zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Unterscheidbarkeit besteht.
Dann wird es aber über alle in diesem Stellvertreterkrieg Ehe geführten bilateralen Konflikte zum Grenzverlauf zwischen Argentinien und Deutschland hinaus interessant. Wenn seine Eltern den ganzen Tag in zwei verschiedenen Sprachen auf ihn einreden, kann das Kinderhirn vielleicht irgendwann eine Sprache als Mutter-, die andere als Vatersprache identifizieren. Das Kind kann möglicherweise auch aus dem es umwabernden Angebot diejenigen Vokabeln und Strukturen wählen, die ihm zunächst leichter von der Zunge gehen. Oder es kann die Verdopplung der Sprachen nutzen, um feine Unterschiede zu machen. Genau das kann man hier im Moment beobachten, meinen jedenfalls wir vollkommen objektiven Eltern: So gerne Baby B. isst, manchmal trinkt er auch, und fast ausschließlich Leitungswasser. Sein eifriger Zeigefinger deutet millimetergenau auf das, was er jetzt (jetzt!) vom Tisch möchte, das Brot von meinem Teller, den nächsten Löffel Haferbrei von seinem - oder eben auf etwas zu trinken. Wasser bekommt er normalerweise entweder in einem grünen Trinklernbecher oder aber mit dem Löffel aus einer blauen Tasse. Gestern zeigte er beim Essen auf die Tasse und rief "Assa!", ich versuchte es mit seinem mir näher stehenden Becher vermeintlich gleichen Inhalts, doch den stieß er mit empört zusammengekniffenen Augen weg. "Assa!" Aus der blauen Tasse wollte er trinken, alles andere war indiskutabel. Etwas später zeigte er ebenso entschlossen auf seinen Becher und forderte "A-ua", "Agua". So wie all die vielzitierten Wörter der Inuit für Schnee auf Differenzen hinweisen, die wir nicht wahrnehmen, so scheint auch für Baby B. ein entscheidender Unterschied zwischen Wasser aus der Tasse, "Assa", und Wasser im Becher, "A-ua", zu bestehen, und er nutzt die ihm angebotenen alternativen Vokabeln zur Diversifizierung. Als Philologe ist man da natürlich begeistert, wie Sie verstehen werden.
Sollte er allerdings irgendwann zu großen blauen Bällen "Ball" und zu kleinen roten Bällen "pelota" sagen und einen Wutanfall bekommen, wenn man über seine feinen Unterschiede hinweggeht, dann sollten wir ihm für den Kindergarten vielleicht von vornherein ein zweisprachiges Glossar als Gebrauchsanweisung mitgeben.

Samstag, 2. Januar 2010

Reimen

Wenn man bei Kinderversen einmal falsch abbiegt, kann das fatal enden. Denn reimen muss es sich natürlich auch auf dem falschen Weg, beziehungsweise biegen die Reime dann ganz von alleine mit ab.
Eigentlich heißt es, im Original bei Janosch, glaube ich:
Liebe Sonne, scheine
auf meine kalten Beine,
lieber will ich barfuß laufen,
als mir ein Paar Stiefel kaufen.
Der dritte Vers im folgenden Vierzeiler ergibt in diesem Zusammenhang nicht übertrieben viel Sinn, ist aber wohl vom ausführlichen Backe-backe-Kuchen-Spielen beeinflusst. Vor allem aber zieht er Reime nach sich:
Liebe Sonne, scheine,
auf meine kalten Beine,
lieber will ich Kuchen backen
als mir ...
Aber lassen wir das.