Freitag, 4. Dezember 2009

Entscheidunghilfe. Ein Aufruf.

Habe ich eigentlich noch Leser? Ich brauche mal ein wenig Entscheidungshilfe von den Fotografen unter Euch.
Bis vor kurzem war ich ausschließlich und aus Überzeugung Analog-Fotografin.
Meine erste "richtige" Kamera war die Pentax p30T. Ich habe die Kamera sehr gemocht, sie war mehrfach mit in Südamerika und hat zu meiner großen Erleichterung dort auch auf einem Küchentisch eine aufwendige Reparatur nach Trümmerbruch überlebt. Sie braucht allerdings sehr viel Licht, war deshalb eigentlich nur für Außenaufnahmen bei Tageslicht geeignet und hat einen hart fallenden Spiegel, so dass man beim Auslösen richtig gegenhalten und stabilisieren muss. Abgelöst wurde diese Kamera von einem überraschenden Geschenk. Zusammen mit einem enormen Ringblitz-Objektiv schenkte mir eine Urlaubsbekanntschaft eine wunderbare alte Contax mit einem schönen Zeiss-Objektiv (1,7/50). Großes Glück! Ohne Automatik-Einstellungen habe ich an dieser Kamera zum Beispiel gelernt, Blenden selbst zu wählen, und ihr zuliebe die Pentax offenbar sehr plötzlich ins Regal verbannt, jedenfalls stelle ich gerade fest, dass noch ein Film in der Kamera ist. Die Bilder dürften etwa drei Jahre alt sein - entwickeln oder als Überraschungsei für die Enkel in der Kamera lassen? Aber bis dahin gibt es vielleicht niemanden mehr, der Filme entwickeln kann.
Auch in der Contax ist seit längerem ein begonnener Film (16/36 Bildern), denn als Baby B. einige Wochen alt war, habe ich mir eine digitale "Handtaschenkamera" dazugekauft, die kleine und hübsche Canon Ixus 95IS. Die habe ich immer dabei, sie ist serientauglich und hat sich vor allem für die Alltagsdokumentation sehr bewährt - und die schöne Contax schon ziemlich verdrängt.
Nun überlege ich seit längerem, die ehrlicherweise nicht von der Hand zu weisenden Vorteile der digitalen Kameras mit der Freude am "richtigen" Fotografie - und nicht nur Knipsen - zu verbinden und liebäugele mit einer größeren digitalen Kamera, einer digitalen Spiegelreflex.
Nur: welche?
Im Angebot haben wir gerade eine Canon EOS 1000D mit Sigma-Objektiv (18/200, leider ohne Stabilisator) gesehen. Vermutlich eine Kompromiss-Kamera, aber mein Budget lässt auch nur Kompromisse zu.
Alternativ stehen auf der Liste gerade die Canon EOS 450D und die Nikon D60.
Ich habe die etwas bessere Canon 500D in der Hand gehabt und war leider nicht ganz und gar überzeugt, neben dem merwürdigen Plastikbody - ich komme eben von einer Kamera mit solidem Metallgehäuse und Lederetui - fehlt mir vor allem eine intuitive Handhabung von Blenden. Die Blende durch Drehen am Objektiv zu verstellen finde ich schon sehr angenehm, aber das scheint es bei Objektiven digitaler Kameras eher nicht zu geben (?).
Hat hier jemand Erfahrungswerte? Tipps? Ratschläge?
Oder sollte ich das Thema nochmal von vorne aufrollen und auch über Bridge-Modelle nachdenken - wenn ja, warum und welche?
Wegen des begrenzten Budgets bewege ich mich wohl im Bereich der "Einsteigerkameras". Was ich eher nicht brauche ist eine Film-Funktion; was ich nicht so gerne mache, ist die Fotos hinterher am Computer zu bearbeiten. Ich würde gerne ohne viel Komplikationen Funktionen wie Blende einstellen können und ich möchte selbst aussuchen können, auf welcher Ebene / was ich scharf stelle (der Autofokus, den ich von meinen analaogen Kameras nicht kenne, sollte also nicht alles immer bzw. automatisch selbst entscheiden). Die Kamera - bzw. das Objektiv - sollte für Makro-Aufnahmen geeignet sein und auch ohne Blitz für Innenaufnahmen funktionieren.
Welche Kamera mir gut in der Hand liegt und einfach "gefällt", kann ich natürlich nicht fragen, ansonsten wäre ich für Berichte und Hinweise dankbar.

Kommentare:

  1. Über Twitter und Chat habe ich nun jeweils ein "gefällt mir" zur Canon 400D und zur Canon 450D bekommen.
    Ergänzungen?

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  2. Ich denke, Canon 450D, Nikon D60 & Co sind schon Kameras mit dem richtigen Preis-Leistungsverhältnis und den richtigen Merkmalen für dich.
    Was du unbedingt machen solltest, das ist deutlich aus deinem Post herauszulesen, ist verschiedene Modelle (natürlich auch Pentax, Sony usw.) wirklich in die Hand zu nehmen und auszuprobieren. Die Unterschiede in der subjektiven Empfindung sind echt gross. Mir ist z.B. die Canon viel zu klein und fummelig.

    Der Blendenring fehlt nur scheinbar. Ein Rad (bei meiner Nikon D70 zwei Räder) am Gehäuse ermöglicht das Einstellen sehr intuitiv.

    Viel Spass beim Ausprobieren!

    Alopecosa

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  3. Na, mit Canon oder Nikon machen Sie wenig falsch. Ist ja beides recht Mainstreamig. Pentax klingt nach mehr Klasse, aber die einzige Dame, die ich mit so einem Gerät kenne, holt es ständig aus der Reparatur.
    Hier liegt so eine 500er Canon herum und fühlt sich großartig an. Gute Haptik trotz Plastik. Und das Wichtigste: der Sohn lacht gern und spielt Motiv.
    Doof an Canon ist in der Tat, dass der Stabilisator im Objektiv steckt. Das ist bei Nikon m.W. nicht der Fall.
    Aus dem Bauch heraus würde ich eine günstige Canon 450 nehmen. Und die Bilder alle bei flickr oder so einkleben!

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  4. Wenn Bride (Bride ist toll), dann due Fuji S100 FS. Weils die Beste ist. Und weil sie bald billiger wird (Nachfolgemodell auf dem Markt. Und weil ich sie mir auch kaufe.

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  5. Mein Senf dazu: Die 450D ist eine prima Kamera. Ich würde dann eher Geld in ein gutes Objektiv investieren.

    Erinnerst Du Dich an meine Fotos von der Bloglesung im April 2008 in Hamburg? http://www.flickr.com/photos/barmblog/sets/72157604757150214/

    Die habe ich mit einer 400D gemacht, allerdings nicht mit dem Kit-Objektiv, sondern mit dem EF-S 17-85, das einen ganz brauchbaren Stabilisator hat.

    Für den Anfang: 450D und direkt dazu ein einfaches 50mm Objektiv kaufen, z.B. das 1,8/50. Das kostet etwa 100€. Damit kann man sehr schön mit den verschiedenen Blenden experimentieren.

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  6. All Eure Worte bewege ich in meinem Herzen... Danke schonmal! Ich hatte gerade eine Nikon D5000 in der Hand (mit verschiedenen Objektiven, schon ziemlich toll fühlte sich das 18-105 mit Stabilisator von Nikon selbst an, in meiner Preisklasse lag eher das billige Paket mit einem Objektiv 18-55. 120 € zwischen Stabilisator oder nicht). Gibt es zur Nikon eine Meinung?

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  7. Hallo,

    meine letzte Kamera "mit Film" war auch eine Contax. Umgestiegen bin ich auf eine Nikon D70s und absolut begeistert. Selbst meine vierjährige Tochter macht damit brilliante Fotos.
    Lohnt sich wirklich. Eine Anschaffung fürs Leben.


    Betty

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  8. Die Stabilisatoren bei meinen Canon-Objektiven sind sehr wertvoll. Sobald die Lichtverhältnisse etwas kritischer werden, kann man damit noch die eine oder andere Blendenstufe rausholen und ohne Blitz fotografieren. Die 120 Euro würde ich auf jeden Fall ausgeben.

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  9. 450 D hier, und mehr als zufrieden. Das mit den Blenden lernt man rasch, und die AF-Funktion lässt sich an den (hier vorhandenen) Objektiven mittels Schiebeschalter abstellen. Das schöne ist, dass man die Bequemlichkeit der Vollautomatik nicht vollständig und auf einmal aufgeben muss, sondern sich sehr langsam an den kompletten Freiflug gewöhnen kann.
    LG
    Lily

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  10. Canon 500D hier, ich hätte natürlich immer behauptet, dass ich den Videoquatsch nicht brauche, aber die Videos (HD) sind so erschütternd brilliant, dass ich die kurze Filmchen (gerade von den Kindern) sehr liebe, die Auflösung reicht auch, um druckfähige Einzelbilder auszukoppeln.
    Bei höherer Iso-Einstellung ist die 500D der 350D, die ich vorher hatte, deutlich überlegen. Mir gefällt ganz gut, dass sie so klein und leicht ist, da passt sie mit kleinem Objektiv auch so mit in die Tasche.

    Das wirklich Teure sind die Objektive, und deren Qualität wirkt sich viel stärker auf die Bilder aus als das Kameramodell.
    Die neuen, stabilisierten Superzooms sind sehr gut, aber doch eher für Urlaub in sonnigen Ländern, wenn man nicht immer einen ganzen Koffer mitnehmen will. Das Schöne an SLR ist doch das Freistellen bei wenig Licht, schöne weiche Porträts, genau da scharf, wo sie scharf sein sollen, und das geht nur mit großer Anfangsblende.
    Für die Babyaufnahmen zu Hause (und überhaupt) lohnt sich auf jeden Fall ein Lichtstsarkes 17-50 o.Ä. oder günstig für den Anfang das 1,8/50. Das Kit-Objektiv 17-55 (stab.) bekommt man fast geschenkt, das ist ein klappriges Plastikding, aber optisch gar nicht so schlecht, wenn man Anfangs z.B. noch kein Weitwinkel hat oder nur das 50er oder nicht immer mit dem schweren Rohr (Superzoom) hantieren will.
    Wegen des kleineren Sensors ist aber ein 50er bei den in Frage kommenden DSLRs sowas wie ein 80er bei Deiner Analogkamera, also kein Normalobjektiv sondern ein kleines Tele. (Stimmt nur so halb, weil es den Bildausschnitt betrifft und nicht die Brennweite, aber jedenfalls muss man öfter mal einen Schritt zurücktreten).
    Wenn man nur mit dem Superzoom klarkommen will, sollte man sich lieber eine Bridge-Kamera kaufen, die Ergebnisse sind ausgezeichnet, da kann ich aber kein Modell nennen. Mir fällt nur immer auf, was andere Leute mit Bridge-Kameras für tolle Bilder machen, auch bei wenig Licht.

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  11. Vielen Dank für die vielen kundigen Kommentare!
    Die Publikumspräferenz geht - auch außerhalb dieser Kommentare - ja stark zu Canon. Ich werde die einzelnen Punkte weiterhin hin und herschieben, noch mehr Kameras anfassen und durch noch viel mehr Objektive gucken (also, die Nikon D5000 war schon ziemlich toll), werde mich auch weiter durch die von Herrn Merlix angeratenen Bride-Testberichte lesen (obwohl ich mit diesen Chimären nicht ganz warm werde, das aber gänzlich irrational, vielleicht sollte ich noch meine Psychologenfreundin in den Beraterkreis aufnehmen) und mich zusammenfassend vermutlich bis Januar - auf Nach-Weihnachts-Preisstürze hoffend - um den Verstand recherchiert haben. (Um dann womöglich noch Percantos Rat anzunehmen? "Kauf Dir doch lieber einen neuen Laptop, den brauchst Du doch auch zum Arbeiten." Der allerdings macht WIRKLICH schlechte Bilder, das sieht auch das ungeschulte Auge. Neinein.)
    Vielen Dank, Ihr habt mir wirklich schon mal sehr geholfen, ich werde berichten - oder weiter fragen.

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  12. Wenn's früher schonmal Pentax war, dann würde ich jetzt auch einen Blick auf die aktuellen Pentax DSLR werfen. Damit könnte man alte Objektive weiter verwenden und die Pentax hat den Stabi im Gehäuse und damit ist jedes alte Objektiv stabilisiert.
    Ich habe nach *istDL und K10D jetzt die K20D und bin mit allen sehr zufrieden und habe keine Probleme zu vermelden.

    Sehr wichtig ist im Endeffekt aber das 'wie liegt sie in der Hand und wie gut komme ich mit der Bedienung zurecht'. Also ausprobieren im Fachhandel!

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