Samstag, 30. Januar 2010

Ausmaße

Wenn man den Begriff "Windelkatastrophe" nur noch als Euphemismus bezeichnen kann, quasi Hilfsausdruck, eher Hilflosigkeitsausdruck, wenn sich das Kind beim Wickeln überraschend als aufs Unfassbarste eingesaut zeigt, wenn man das Kind zudem wegen einer erwarteten, wenn auch nicht so erwarteten Windelfüllung noch ein wenig länger wach gehalten hat und es nun endlich und wirklich nur noch schlafen will, liegen und schlafen und auf etwas nuckeln, nicht aber stehen, sondern sich hinwerfen muss, egal wohin, wenn es sich ausgesprochen unkooperativ zeigt und weil müde, so müde, nun an der vollkommen farbgewechselten Strumpfhose lutschen möchte, die man ihm entwendet und froh ist, dass es stattdessen doch seinen Hausschuh nimmt, den einen, der nichts abbekommen hat, was sich allerdings etwas später zusammen mit der Erkennntis, dass dieses Leder Kinderlippen und Kinderzähne blitzeblau färbt, als Irrtum herausstellt, wenn man dem Kind einen pastös eingedickten Body über den Kopf ziehen muss, während es protestiert und sich wegdreht, wenn dieses Zeug an jedem seiner Kleidungsstücke klebt, außer innen in der Windel, wenn das jammernde Kind klebrige Babykacke in den Haaren hat und zwischen den Zehen und überall dazwischen auch, wenn eine Rolle Küchenpapier nicht reicht und der Waschlappen nicht mehr vom Body zu unterscheiden ist und die Feuchttücher so hilfreich sind wie Suppenkellen bei einer Ölkatastrophe, wenn das Handtuch auf dem Wickeltisch nichts mehr aufnimmt und wenn man das Ganze auf den Holzfußboden verlagert, den man ja wischen kann oder neu verlegen, wenn das Kind auch dort nicht stehen will und sich auf dem kalten Boden windet und sich der Mutter an die Brust wirft, wenn man schließlich das Kind ganz auf dem Arm zu waschen versucht und dabei mit dem Fuß Küchenpapier auf dem Boden verteilt und Schmutztücher und das, was mal adrette Babykleidung war, aus dem Zimmer bugsiert, wenn schließlich Kleider, Handtücher, Boden und Mutter gleichmäßig eingesaut sind, das Kind aber in einem Zustand zu sein scheint, in dem man ihm eine saubere Windel und einen sauberen Body und die letzte saubere Strumpfhose anziehen könnte, wenn man nur ein Stück sauberen Untergrund zum Ablegen fände, dann fragt man sich nicht nur wie immer, warum eigentlich Müttern nicht mit dem Milcheinschuss auch gleich sechs bis acht weitere Arme wachsen, sondern auch, warum Wickeltische nicht standardmäßig mit Not-Duschen geliefert werden, wie sie doch für Chemielabore Vorschrift sind und deren Existenz so unmittelbar einleuchtet, und ob es wohl sinnvoll ist, all das einzeln zu waschen, zu wischen und wegzuwerfen oder ob nicht ein Umzug nach dem Mittagsschlaf die einfachere Lösung wäre.

Kommentare:

  1. Kann man das Wickeln da nicht gleich in die Dusche verlegen?

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  2. meine gedanken beim lesen: ab unter die dusche. ja, ich fühle mit! ich hatte das neulich mit einem verkotztem kleinkind :-o

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  3. Dusche schien mir auch währenddessen schon eine gute Altenative zu sein, allerdings hatte das gleiche Kind die Badewanne kurz zuvor mit Spielzeug vollgeräumt und findet Baden zwar großartig, nicht aber in diesem Zustand von Übermüdung, was dem Winden und Jammern noch Toben und Strampeln hinzugefügt hätte, was auch nicht nach Ideallösung klang.

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  4. Oha und Respekt! Respekt vor dem Sohn und seiner Stoffwechselproduktivität. Respekt vor Ihren eleganten Worten zum Drama.

    Ich hoffe, das war nur ein temporärer Auftritt und die gesamte Familie ist wieder fit.

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  5. "sagen Sie es offen, ich bestehe durchaus nicht darauf. Ich gehe"

    Franz Kafka, Tagebücher 1914-1923, Seite 18, Zeile 4

    Dass einem beim ersten Klick schon ein guter blog über den Weg läuft, passiert nicht oft. Mir ist es gerade passiert...

    Stefanie

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  6. Dieses Unding schimpft sich bei uns "Herzlichen-Glückwunsch-Windel". Manchmal, ja manchmal muss das wohl so sein.
    Ich hoffe, Sie konnten sich mittlerweile wieder entfärben, das scheint mehr meist das größere Problem.

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  7. ha ha sehr schön! in solchen momenten den body bloß nicht über den kopf ziehen. einfach am körper runter. erspart wenigstens ein kleines bisschen arbeit.

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